Verfasst von: nirhtactio in: 2009/11/09
Der 9. November eines jeden Jahres ist fuer mich schon lange bevor ich Hanna kennenlernte (Happy Birthday!) und die deutsch-deutsche Mauer fiel (tatsaechlich sogar vor der Progromnacht – wobei es mich da ja noch nicht gab) mit einem besonderen Menschen verbunden.
Trotz fehlender Blutsbande hat uns ganz ordentlich was verbunden. Ich weiss noch, wie du die Geschichte so oft erzaehlt hast, in der Michel kurz auf mich aufgepasst hat, und ich natuerlich genau da angefangen hab zu schreien und er dann hilfesuchend zu Dir kam. Ich muss wohl das Baeuerchen des Jahrhunderts gemacht haben, zumindest hat sich die Geschichte in den letzten 23 Jahren dahin entwickelt (wie es oft erzaehlte Geschichten so an sich haben…).
Als ich aelter wurde, habe ich immer etwa einen Abend pro Woche bei Dir verbracht – zumindest sagt mir das meine Erinnerung, vielleicht waren es aber auch weniger? Wir haben „schwarzer Peter“ gespielt, „Mensch aerger Dich nicht“ und „Mau Mau“. Am Liebsten war mir aber verstecken… ganz schoen bloed, in einer 2 Zimmerwohnung, gell, so im Nachhinein? Mein liebstes Versteck war hinter dem Sofa (!!!), in der Badewanne, die ich immer so komisch fand, weil sie zum reinsitzen war (mit einer 30 cm Stufe) oder in der Kueche, wenn die Lamellentuer zugezogen war und ich im Dunkeln sass…
Ein Sparschweinchen hatte ich auf Deinem Telefonschraenkchen im Flur (mit dem gruenen Telefon – oder war es rot. Achherrjeh, wie unzuverlaessig ein menschliches Gehirn ist. Wo sind die Computer, wenn man sie mal braucht?) in das nach 2001 alle auslaendischen Euromuenzen gewandert sind, die du gefunden hast. Gesammelt haben wir die naemlich! Und Ruehrei gab es oft und viel. Wobei du lieber Waffeln und halbes Haehnchen (natuerlich nicht zusammen! Aber mit Pommes) gemocht hast?
Einkaufen, am Anfang mit Dir, spaeter dann wann immer du wieder sehr krank warst fuer Dich, auf den Friedhof, am anfang mit Dir… Spazieren gehen.
Ich musste gerade herzhaft Lachen, hier in meinem Buero, als ich an das Voegelchen gedacht hab, dass Dir mal zugeflogen ist (ich war ja noch klein und mein Gehirn ist kein Computer, aber war es ein Wellensittich?) und wie „wir“ einen Hund aus dem Fernsehen adoptieren wollten und du sogar bei Herrn Christ nachgefragt hast?
Und Deine Angst, dass es mir hier nicht gefallen koennte, oder nicht gut gehen. Ich hab es Dir versucht am Telefon zu erklaeren, damals, bei unserem letzten Telefonat, das schon eine halbe Ewigkeit her sein muss, mich aber schon darauf gefreut, es Dir an Weihnachten zu zeigen, mit meiner Diplomarbeit und allem.
Fuer all die Erinnerungen wollte ich „Danke!“ sagen, fuer alles was du in den letzten 24 Jahren fuer mich getan hast, erst Recht als ich von der Lungenentzuendung gehoert hab. Das hat mich alles sehr erschreckt und ich war so in diesem Diplomarbeitschreiben, dass ich nicht wusste, wann ich Zeit fuer diesen Danke-Brief unterbringen soll. Doch dann ging es wieder berg-auf und ich hab mir so fest vorgenommen, Dir zu schreiben, sobald das Chaos hier vorbei ist. Nicht vor dem Abschlussvortrag, das war mir klar.
Mein Abschlussvortrag war vorletzte Woche Dienstag, doch du hast es nicht mehr bis dahin geschafft. 10 Stunden. 10 Stunden. Ich haette das nicht gedacht, im Februar, als ich mich verabschiedet hab.
Und jetzt weiss ich nicht, wohin mit meinem „Danke“, und mit meinen Geburtstagswuenschen fuer Deinen 83. Geburtstag – eigentlich wuerde ich Dich jetzt anrufen – aber ich weiss Deine neue Nummer nicht… Es tut mir Leid. Jetzt steht das alles, weil ich gerade keine andere Moeglichkeit sehe, nicht vorbeikommen oder anrufen kann, auf diesem neumodischen Kram, der sich Blog nennt… Ob du es wohl trotzdem weisst? Sagt man ja immer so
Doch ich krieg vielleicht irgendwann eine Chance Dir das alles zu sagen? Maybe tomorrow?
Avril widmet dieses Lied ihrem Opa, der am Tag des Konzertes verstorben ist.Und ich verstehe sie so gut, als sie erzaehlt, warum sie das Konzert trotzdem gegeben hat.
Zurueck zu Unseren Blutsbanden. Die gab es natuerlich nicht, aber Du hast Uns vollkommen zurecht als deine Familie gesehen. Danke, dass wir es -against all odds- fuer so lange Zeit sein durften!
„And I know I’m not ready, maybe tomorrow“ Ich hoffe, du warst es. Es tut mir Leid, nicht dagewesen zu sein und auch vor dem 23.12 nicht vorbeikommen zu koennen.
*09.11.1926 +27.10.2009
von dem Vögelchen hat sie mir auch mal erzählt, und ich habe auch in Erinnerung dass es ein Wellensittich war…
Jetzt weiss ich was sie für dich bedeutet hat!
es war der 26.10. morgens um 4.10 uhr
2009/11/09 um 3:22
Es soll der 27.10.2009 sein. Nach Mitternacht-